Stalking

Was versteht man unter Stalking?

Stalking ist ein absichtliches und beharrliches Verfolgen eines bestimmten Menschen. Hierbei wird die körperliche oder psychische Unversehrtheit durch diese Handlungen in Gefahr gebracht oder sogar lang andauernd schädigen. Das Opfer fühlt sich hilflos ausgeliefert und geängstigt, durch die Nachstellungen des Stalkers. Die bewusst ausgeführten Nachstellungen sind deutliche Übergriffe auf die Privatsphäre des Opfers und werden vom Opfer auch als schwerwiegende Eingriffe in deren Lebensgestaltung empfunden. Bei den Tätern des Stalking kann es sich sowohl um dem Opfer gänzlich fremde Menschen handeln ebenso wie langjährig bekannte oder sogar Menschen, mit denen die Opfer früher in einer Beziehung gelebt haben. Der Begriff Stalking selbst kommt aus dem Englischen und meint im Sinne der Jägersprache das „Anschleichen“ beziehungsweise „Anpirschen an das Wild“.

Mit welchen nachstellenden Handlungen werden die Opfer beim Stalking behelligt?

Zum Stalking zählt unter anderem der sogenannte Telefonterror, bei dem ein Anrufer das Opfer häufig beschimpft, mit Gewalt bedroht oder auch nur ständig anruft und gar nichts sagt. Immer häufiger finden solche Belästigungen, Mobbing oder auch Intrigen per Internet statt. Dies wird unter dem Begriff Cyberstalking erfasst. Des Weiteren hier eine kurze Auflistung weiterer Handlungen, die zum Begriff Stalking gehören können:

  • Beleidigungen und üble Nachrede, Intrigen
  • Sendungen von E-Mails zu allen Tages- und Nachtzeiten
  • Bestellungen von Warensendungen auf den Namen und an die Adresse des Opfers
  • Nötigungen und Bedrohungen, bis hin zur Anwendung von Gewalt oder gar der Tötung des Opfers
  • sogenannte „Liebesbezeugungen“ wie Liebesbriefe, Geschenke, Blumen
  • „allgegenwärtige“ Anwesenheit sowie das Verfolgen und Auflauern, zum Beispiel an der Wohnungstüre oder den Fenstern, am Arbeitsplatz, beim Supermarkt
  • fortgesetzte Sachbeschädigungen, zum Beispiel am Auto oder Fahrrad des Opfers

Die Folgen des Stalkings bei Opfern

Wie ein Jäger stellt ein Stalker seinem Opfer nach und genauso gejagt, gehetzt fühlt sich das Opfer – und dieses Gefühl des Gehetztseins bleibt über Jahre hin bestehen. Oft leiden die Opfer auch viele Jahre später an sogenannten „Posttraumatischen Belastungsstörungen“ oder „Angsterkrankungen“, die sich in dann häufig „harmlosen Situationen“ bemerkbar machen. Die psychische Stabilität der Opfer ist gegebenenfalls lebenslänglich infrage gestellt, was häufig auch zur grundsätzlichen Arbeitsunfähigkeit führt und die Opfer auch gesellschaftlich in eine Randposition versetzt. Im Grunde genommen ist die gesamte Lebensplanung der Opfer vom Stalking geprägt oder beeinträchtigt. Oft fühlt sich das Opfer dauerhaft „entwurzelt“, vor allem dann, wenn es letztendlich vor dem Stalker flüchten musste, um das schlimme Geschehen zu beenden (zum Beispiel indem ein oder mehrere Umzüge folgen). Dies beeinträchtigt auch das Gefühl von Selbstbestimmtheit und Selbstwertgefühl, vor allem dann, wenn dem Opfer in der Stalkingsituation echte Hilfe versagt blieb. Daneben erleben Opfer auch nachhaltig „vegetative Störungen“, wie Unruhezustände, Schreckhaftigkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Magenbeschwerden und der daraus folgenden geistigen und körperlichen Erschöpfung. Viele der Opfer leiden auch unter depressiven Verstimmungen, manche sogar unter Depressionen.

Welche rechtliche Handhabe bleibt den Opfern?

Stalkingopfer können auf jeden Fall erst einmal die Polizei hinzuziehen. Diese kann mit einer Wohnungsverweisung des Stalkers agieren oder ihm einen Platzverweis erteilen. Auch kann ein Kontaktverbot ausgesprochen werden (hier greift die Polizei- und ordnungsrechtliche Generalklausel). In einem Zeitfenster von etwa zehn Tagen sollte sich das Opfer beim zuständigen Amtsgericht um Anordnungen zu seinem Schutz kümmern, die auf Basis des Gewaltschutzgesetzes (GewSchG) erwirkt werden können. Das Amtsgericht kann zum Beispiel eine Anordnung erlassen, dass sich der Täter der Wohnung des Opfers nicht nähern darf.

Im März 2007 wurde mit dem Begriff „Nachstellung“ ein für Stalking passender Straftatbestand ins Strafgesetzbuch (StGB) aufgenommen. Allerdings wird die „einfache Nachstellung“ nur auf Antrag verfolgt (§ 238 Abs. 4 StGB), wenn nicht die Staatsanwaltschaft im konkreten Fall ein besonderes öffentliches Interesse annimmt. Dann wird die Nachstellung gegebenenfalls mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft. Höhere Strafen allerdings gelten, wenn der Täter das Opfer, einen seiner Angehörigen oder eine andere dem Opfer nahestehende Person einer Lebensgefährdung oder einer schweren Gesundheitsschädigung ausgesetzt hat oder die Tat den Tod einer der oben genannten Personen verschuldet hat.

Aktuelle Fallzahlen in Deutschland

Insbesondere Berufsgruppen mit Kundenverkehr – vor allem in heilenden oder beratenden Berufen – können selbst Opfer eines Stalkers werden. Beim Täter geht hier häufig das Gefühl einer Ungleichbehandlung oder Falschberatung und dergleichen voraus. Auch ein fehlgeleiteter Konkurrenzgeist kann Stalking auslösen. Ansonsten findet man diese Art der Nachstellung häufig in Beziehungskonflikten nach einer Trennung durch den Partner (=späteres Opfer), oder der Ablehnung durch vom Stalker einseitig „geliebten“ Menschen.

Nach Fallzahlen für das Jahr 2007 wurden in der Polizeilichen Kriminalstatistik für Deutschland 11.401 Fälle mit dem Tatvorwurf der Nachstellung (Stalking) gemäß § 238 StGB erfasst, allerdings muss hierbei berücksichtigt werden, dass die Vorschrift erst am 31. März 2007 in Kraft getreten ist. Das ergibt eine Häufigkeit von 13,9 Fällen auf 100.000 Einwohner. In 14 Fällen waren Schusswaffen mit dabei, und in 4 Fällen wurde auch damit geschossen. Laut Kriminalitätsstatistik beträgt die Aufklärungsrate der erfassten Stalkingfälle 88,4 %, was bedeutet, 9.389 Fälle konnten aufgeklärt werden. Es gilt jedoch zu berücksichtigen, dass (oft aus Scham der Opfer) viele Taten nicht angezeigt werden.

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